Warum eure offene Beziehung scheitern wird

Beziehungsunfähig, egozentrisch und verwöhnt: Ihre Eigenart macht das Liebesleben der Generation-Y nicht einfacher. Das Modell «offene Beziehung» wird auch nicht funktionieren. Ein Kommentar. 

Über keine Kohorte wurde so viel geschrieben wie über die Generation-Y. Den Menschen, welche zwischen 1980 bis 1999 geboren wurden, eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Egozentrisch sollen die Millenials – so wird die Generation auch genannt – sein. Verwöhnt, opportunistisch, übersensibel, stetig verunsichert und unfähig, Verantwortung zu übernehmen.

Sie tingeln von einem Praktikum zum nächsten, gehen in Asien auf Selbstfindungssuche, nabeln sich mehr schlecht als Recht von den Eltern ab und sind ob der schieren Vielfalt an Möglichkeiten ständig verunsichert. Eine Generation, der die Welt offensteht, diese seit 9/11 und dem Stakkato aus Krieg, Krisen und Terror aber nur noch als einzige Gefahr sieht.

Die «anything goes»-Haltung spiegelt sich auch in den Partnerschaften wieder; das Modell «offene Beziehung» boomt. «Ich möchte mich nicht festlegen», «ich habe genug Liebe für mehrere Personen», «Monogamie ist veraltet», heisst es da. Das mag schön und gut sein. Es klingt, als würde das Freigeistige der 70er-Jahre wieder aufkeimen.

Doch dem ist nicht so. Diverse Studien zeigen, dass die Generation-Y so spiessig ist, wie noch nie. Angesichts der zu vielen Möglichkeiten sehnt sie sich nach Heirat, Einfamilienhaus, Kindersegen und festen Strukturen. Von der Hippiebewegung anno dazumal ist sie ideologisch meilenweit entfernt.

Die Flucht in die offene Beziehung ist bei genauerer Betrachtung nicht mehr und nicht weniger als der Egoismus und die Feigheit, sich auf eine andere Person einzulassen. Es erstaunt insofern auch nicht, dass die meisten dieser polygamen Konstrukte früher oder später in Tränen, gebrochenen Herzen und enttäuschten Erwartungen enden. 

Doch was nun? Wie räumen die Millenials ihren emotionalen Scherbenhaufen wieder auf? Mit der Erkenntnis, dass «anything goes» ein Mythos war, dass man im Leben nicht alles haben kann und dass ein bisschen Verbindlichkeit nötig ist. Weil der Hauptgewinn noch nie mit dem Mindesteinsatz kam.

 

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Anne-Sophie Keller

Schweizer Journalistin.

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